Tauchplätze

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Es war am 12. Februar 1864: Grauer dichter Nebel hüllt den Bodensee ein wie eine herabgefallene Wolke.

Titel JuraIm schweizerischen Romanshorn löst die Besatzung des Raddampfers «Jura» die Leinen, etwa eine halbe Stunde nach der planmässigen Abfahrt um neun Uhr. Das Schiff nimmt Kurs auf Konstanz. Kapitän Motz und andere Besatzungsmitglieder versuchen den Nebel mit ihren Blicken zu durchdringen. Ständig betätigt der Kapitän die Nebelglocke. Da zwischendurch immer wieder einige Sonnenstrahlen die Suppe durchbrechen, begibt sich ein Grossteil der Passagiere an Deck - zum Glück, wie sich wenig später herausstellt. Denn alle Vorsicht fruchtet nichts: Um elf Uhr, die «Jura» hat gerade Münsterlingen passiert, taucht plätzlich das Dampfboot «Stadt Zürich» aus dem Nebel. Knirschend bohrt sich der Bug des Schiffs in die Steuer- bordseite der «Jura». Einen Meter hinter dem Bugspriet reisst er ein drei Meter langes Leck, zum Teil unter der Wasserlinie.

DeckDie «Jura» sinkt innerhalb weniger Minuten. Dennoch können Mannschaft und Passagiere sich retten - nur ein Matrose wird beim Zusammenstoss über Bord geschleudert und ertrinkt im eiskalten Wasser. Die anderen klettern hinüber auf die «Stadt Zürich», die sie wohlbehalten nach Romanshorn zurückbringt. Mit der «Jura» versinkt ihre Ladung, unter anderem Bandeisen, Käse, Seide, Baumwolle und Kälber.

Das Schiff gerät in Vergessenheit - bis über 100 Jahre später Taucher in Erzählungen alter Leute von der Havarie hören. Ihre Suche ist erfolgreich. Sie finden das 42 Meter lange Schiff zwischen Bottighofen und Müntserlingen, aufrecht auf dem Grund stehend in einer Tiefe von 38 Metern. Bis 1984 wird die «Jura» unter Tauchern als Geheimnis gehandelt - dann nimmt ihr eine Fernsehreportage diesen Status. Heute wird das Wrack in der engen Dunkelheit vor allem an Sommerwochenenden täglich von 20 Tauchern oder mehr besucht. Wer an der «Jura» tauchen will, sollte ein fortgeschrittener Taucher sein.

Einstieg BootEine gewisse Mindest- Erfahrung in Süsswasser ist unbedingt ratsam und dies nicht ohne Grund. Der Abstieg zur «Jura» erfolgt mit Hilfe von Boje und Ankerseil im Freiwasser. Die relative grosse Tiefe sorgt fast bei jedem Tauchgang für Dekopausen. Das Wasser ist auch im Sommer kalt. Die schlechte Sicht macht jeden Tauchgang zum Nachttauchgang, ein Umstand, der dadurch verschlimmert wird, dass das Wrack von feinen Sedimenten bedeckt ist - jede falsche Bewegung führt hier zu sofortigen Trübung. Die beste Zeit für die Tauchgänge ist das Frühjahr und die Zeit vom Spätsommer bis in den Winter. Während der Sommermonate beeinträchtigen Schneeschmelze und Algenblüte die mittelprächtige Sicht noch weiter.

Antriebswelle Seitenblick

Ein Tauchgang an der «Jura» ist aber immer ein unvergessliches Erlebnis, denn Kälte und fehlendes Sonnenlicht haben vieles erhalten, was sonst längst verfault wäre. So sind die Holzschnitzereien am tief eingesunkenen Bug noch gut zu erkennen und die Reling, die um das Schiff herumführt, noch weitgehend intakt. Dem Verfall getrotzt haben auch die grossen Schaufelräder, Decksaufbauten und Leitern. Und Poller, Antriebswellen und Ankerwinde machen ebenfalls nciht den Eindruck, als würden sie schon seit über 130 Jahren im Wasser liegen. Ein Ausflug ins Innere erinnert den Taucher jedoch schnell wieder an die Gefahren - aufgewirbelte Schwebeteilchen sorgen für undurchdringlichen Nebel.

MastNach dem Abgang der Menschen hat eine andere Spezies das Schiff in Beschlag genommen, kapitale Aalrutten sind heute Herren der «Jura». Am gut erhaltenen Heck ist das Ruder scharf eingeschlagen - Zeugnis des verzweifelten Versuchs, im dichten Nebel der herannahenden «Stadt Zürich» auszuweichen.

Situationsplan

 

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